Der amtliche Einstieg für die laufende Beurteilung ist das Kartoffelmonitoring der LfL. Warndienst und Bestandesüberwachung sind die entscheidenden Instrumente für eine an die aktuelle Situation angepasste Terminierung der Fungizidmaßnahmen.

Krautfäule bei Kartoffeln erkennen: Symptome an Blatt, Stängel und Knolle

An der Kartoffelpflanze erkennen Sie Krautfäule am Blatt an wasserdurchtränkten Flecken mit grauweißem Pilzrasen auf der Unterseite, am Stängel an dunkelbraunen Stellen und an der Knolle an bleigrauen, eingesunkenen Flecken mit festem braunem Gewebe darunter. An der Knolle heißt die Krankheit auch Braunfäule. Im Alltag finden Sie dieselbe Krankheit unter den Namen Kraut- und Knollenfäule, Kartoffelfäule, Kartoffelblattfäule, Blattfäule bei Kartoffeln, Kartoffelkrautfäule oder Kartoffelbraunfäule; gemeint ist jeweils der Befall durch Phytophthora infestans, der je nach Pflanzenteil als Krautfäule am Blatt und Stängel oder als Braunfäule an der Knolle auftritt.

Krautfäule am Blatt (Kartoffel Blattfäule): Flecken und Pilzrasen auf der Unterseite

Bei feuchtem Wetter erscheinen am Kartoffelblatt gelblich-grüne Flecken, die sich in kurzer Zeit dunkel verfärben. Anfangs sind sie gelblich-dunkelgrün bis grau-braun und wasserdurchtränkt, vom gesunden Gewebe nur unscharf abgegrenzt. Später werden sie braun und trocknen aus. Der Übergang zum gesunden Gewebe bleibt fließend.

Auf der Blattunterseite sitzt am Übergang zwischen gesundem und abgestorbenem Gewebe ein grauweißer Pilzrasen, der bei Trockenheit verschwindet. Die LfL-Diagnosehilfe zu Kartoffelkrankheiten zeigt die Krankheiten mit Bildern, auch die Kartoffelkrautfäule. Halten Sie beim Vergleich fest, an welchem Pflanzenteil Sie das Schadbild sehen.

Krautfäule am Stängel

Befallene Stängelteile verfärben sich dunkelbraun, bevor der Pilz sie zerstört. Der Pilz schädigt von außen nach innen, auch am Stängel kann sich ein weißer Pilzrasen bilden. Kontrollieren Sie auch die Stängel in feuchten Teilbereichen des Schlags; die Ursache steht im Abschnitt zur Bodenfeuchte.

Braunfäule an der Knolle erkennen (Kartoffel Braunfäule)

Befallene Knollen zeigen außen unregelmäßige, oft ganze Knollenteile überdeckende, bleigraue Flecken, die später etwas einsinken. Unter den Flecken ist das Knollengewebe fest und braun verfärbt. Im Innern der Knolle gibt es braune Verfärbungen ohne Abgrenzung zum gesunden Gewebe. Knollen mit Braunfäule werden oft zusätzlich von Nass- oder Trockenfäuleerregern befallen.

Krautfäule oder Dürrfleckenkrankheit: Flecken unterscheiden

Die Dürrfleckenkrankheit (Alternaria solani) führt zu ähnlichen Blatt- und Knollensymptomen. Ihre Flecken sind stärker vom gesunden Gewebe abgegrenzt und tragen konzentrische Ringe. Fotografieren Sie die Ringe und den Übergang zum gesunden Blattgewebe und vergleichen Sie die Bilder mit der Diagnosehilfe.

MerkmalKrautfäule (Phytophthora infestans)Dürrfleckenkrankheit (Alternaria solani)
Blattfleckengelblich-dunkelgrün bis grau-braun, wasserdurchtränkt, unscharf begrenzt, später braun und trockenscharf begrenzte, meist runde braune Flecken mit konzentrischen Ringen, die aufreißen können
Besonderheit am Blattgrauweißer Pilzrasen auf der Unterseite am Fleckenrandtritt ab Juni auf den älteren Blättern auf
Knolle außenunregelmäßige bleigraue Flecken, später etwas eingesunkeneingesunkene Flecken auf der Schale
Knolle innenfestes braunes Gewebe, ohne Abgrenzung zum gesunden Gewebefeste bräunlichschwarze Masse, einige Millimeter tief und scharf vom gesunden Gewebe abgegrenzt

Welke und Fäule, die keine Krautfäule sind

Welken Pflanzen ab Anfang bis Mitte Juni mit eingerollten oberen Blättern, und lassen sich die Triebe leicht aus dem Boden ziehen, steckt Schwarzbeinigkeit dahinter: Die Stängelbasis ist verfault und dunkelbraun bis schwarz. Eine weiche, breiige Knolle, die sich mit einer dunklen Linie vom gesunden Gewebe abgrenzt und nach dem Aufschneiden modrig riecht, zeigt Knollennassfäule. Gegen beide bakteriellen Krankheiten ist eine gezielte Bekämpfung nicht möglich.

Warum Bodenfeuchte und Ausgangsinfektionen wichtig sind

Der Erreger überwintert in latent, also nicht sichtbar, infizierten Kartoffelknollen. Treiben diese Knollen im Frühjahr aus, wächst der Pilz im Kartoffelstängel nach oben. Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 10 und 23 Grad begünstigen ihn. Bei hoher Bodenfeuchte können Sporen mit dem Bodenwasser verteilt werden und weitere Pflanzen bereits im Boden infizieren. Daraus entstehen frühe Befallsnester mit Stängelbefall. Da leichte Böden das Wasser schneller ableiten, ist dort die Gefahr eines frühen und starken Krautfäuleauftretens wesentlich geringer als auf Lehmböden. Besonders gefährdet für sehr frühen und massiven Stängelbefall sind grundwassernahe Standorte in regenreichen Gebieten.

Ausgehend vom Stängelbefall verbreiten Wind und Regenspritzer die Sporen weiter. Sekundärbefall der Blätter ist optimal bei mindestens vier Stunden Blattbenetzung und 15 bis 20 Grad Celsius. Kräftiges Krautwachstum begünstigt das feuchte Kleinklima für die Krankheit; Sorte und Stickstoffversorgung beeinflussen das Wachstum.

Krautfäule bei Kartoffeln vorbeugen: Pflanzgut, Feldhygiene und Anbau

Zur Feldhygiene gehören gesundes Pflanzgut sowie das Beseitigen von Kartoffelmieten, Abfallhaufen und Durchwuchs in Bestandsnähe; bei der Ernte aussortierte Knollen werden nicht auf dem Feld belassen. Ein Reihenabstand von mindestens 75 Zentimetern und sorgfältige Beikrautregulierung verbessern die Durchlüftung des Bestandes.

Zur Standortwahl zählen der Anbau in windoffenen Lagen, möglichst in langen, schmalen Schlägen quer zum Wind, und in Gemüsebaugebieten der Abstand zu Tomatenkulturen. Vorkeimen und zeitiges Auspflanzen nutzen die Zeit bis zum Einsetzen der Krautfäule besser zur Ertragsbildung. Grünmulch kann den Befall leicht reduzieren.

Zur Sortenwahl zählen krautfäuletolerante Sorten sowie Sorten mit frühem Knollenansatz und geringem Stickstoffbedarf. Legen Sie zuerst den Verwendungszweck fest (Speise- oder Wirtschaftssorte) und vergleichen Sie erst danach die Krankheitsnoten der dafür geeigneten Sorten.

Krautfäule-resistente Kartoffelsorten: Anfälligkeit und Verwendung

Wer Kartoffelsorten sucht, die widerstandsfähig gegen Krautfäule sind, vergleicht die Anfälligkeitsnote in der Sortenliste: Je niedriger die Note, desto geringer die Anfälligkeit. Die Krautfäule-Anfälligkeit der in Deutschland zugelassenen Sorten ist in den beschreibenden Sortenlisten bewertet. Die Bestnote 2 erhielt 2025 die mittelfrühe Speisesorte Tamina, gefolgt von der Note 3 für Heidemarie, Mariola und Melia (mittelfrüh) und Alanis (mittelspät) sowie einige Wirtschaftssorten (Stärkekartoffeln).

Aktuelle Ausgabe der Sortenliste

Für den überregionalen Vergleich dient die Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamts. Die jüngste PDF-Fassung für Kartoffel ist die Ausgabe 2025.

Anfälligkeit und Resistenz in der Sortenliste

Die Beschreibende Sortenliste führt „Resistenz und Anfälligkeit“ als eigene Übersicht. Krautfäule wird dort als Anfälligkeit für Krankheiten benotet: 1 bedeutet fehlend oder sehr gering, 2 sehr gering bis gering, 3 gering. Prüfen Sie bei jedem Merkmal, ob die Note eine Resistenz oder eine Anfälligkeit bewertet; für Krautfäule zählt die Anfälligkeit.

Leafwrit

Pflanzenschutz-Aufzeichnungen an einem Ort führen. Kostenlos starten.

Ein Strich kennzeichnet eine fehlende Einstufung. Notieren Sie ihn im Sortenvergleich als „nicht bewertet“.

Gaya: beste Krautfäuleresistenz in Mittelfranken 2026

Gaya ist mittelspät und fest- bis vorwiegend festkochend. Unter den Empfehlungen für Mittelfranken 2026 hat sie die beste Krautfäuleresistenz. Die Sorte ist anfälliger für Blattrollvirus. Gegenüber Merle hat sie eine größere Sortierung und stärkere Keimruhe.

Versuchsstandort und Versuchsjahr der Mittelfranken-Empfehlung

Die Empfehlungen für Mittelfranken 2026 beruhen auf dem Landessortenversuch in Dürrenmungenau aus dem Anbaujahr 2025. Fragen Sie sich beim Lesen, ob Witterung und Standort des Versuchs zu Ihrem Schlag passen.

Korrekturen der Sortenliste 2025

Seit der Berichtigung vom 9. Juli 2025 gilt bei Triton auf Seite 48 für Untergrößen die Note 3. Bei Wega auf Seite 49 beträgt die Reifezeitnote 4 und die Krautfäulenote 5. Nutzen Sie für den Sortenvergleich die berichtigte Ausgabe.

Bundessortenamt beschreibt, die Länder prüfen regional

Das Bundessortenamt und die Bundesländer teilen sich die Arbeit: Das Bundessortenamt beschreibt die Sorten bundesweit, die Länder prüfen regional. Die agronomischen Sortenbeschreibungen beruhen auf Versuchen der Länderdienststellen. Nutzen Sie die bundesweite Einstufung für den ersten Vergleich und die regionalen Versuche für die Standortwahl.

Warndienst und Prognose

Das LfL-Monitoring berechnet den Spritzstart aus den Witterungsdaten der Kartoffelanbauregionen. Im Saisonverlauf wird der Krautfäuledruck als Hilfe für Folgebehandlungen und Fungizidwahl ermittelt. Regionale Erhebungen ergänzen das Modell.

SIMPHYT III berechnet den Abstand einer Folgebehandlung anhand der Witterungsdaten. Die Stationspunkte führen zu Informationen über Wetter, Infektionswahrscheinlichkeit und Infektionsdruckverlauf.

Die Prognoseberechnungen allein reichen nicht aus: Lokale Besonderheiten der Witterung und Abweichungen in der Bodenfeuchte, etwa durch einen hohen Grundwasserspiegel, kommen hinzu. Beziehen Sie deshalb die schlagspezifischen Beobachtungen in die Entscheidung ein. Die Kontrolle der Bestände auf Primärherde und Frühinfektionen beginnt drei Wochen nach dem Auflaufen und wird je nach Infektionsdruck ein- bis zweimal pro Woche durchgeführt.

Krautfäule bei Kartoffeln behandeln: Krautfäulemittel, Fungizide und Spritzstart

Kartoffelkrautfäule: was tun? Spritzen Sie vorbeugend. Der Fungizidschutz beginnt idealerweise 7 bis 12 Tage vor dem ersten Krautfäuleauftreten auf dem Schlag. Lokal- und teilsystemische Mittel wirken auch kurativ, stoppen aber nur eine latente Infektion, die höchstens 48 Stunden alt ist. Das Fungizid gegen Krautfäule bei Kartoffeln wählen Sie nach Standort, Bodenfeuchte und Befallsdruck:

Auf schwereren Böden beginnt die Spritzfolge mit systemisch wirkenden Fungiziden (Infinito, Rival Duo, Zorvec Entecta), die den Pilz im Stängel erfassen. Kontaktmittel kommen zum Spritzstart auf leichten Standorten bei trockenem Frühjahr infrage. Bei starkem Krautwachstum und hohem Infektionsdruck eignen sich lokal- beziehungsweise teilsystemische Mittel. Gegen Ende der Vegetation steht der Knollenschutz im Vordergrund.

Nach § 12 Abs. 1 Pflanzenschutzgesetz dürfen Pflanzenschutzmittel nur angewandt werden, wenn sie zugelassen sind, die Zulassung nicht ruht und die Anwendung in den in der Zulassung festgesetzten, jeweils gültigen Anwendungsgebieten und entsprechend den jeweils gültigen Anwendungsbestimmungen erfolgt. Öffnen Sie für das ausgewählte Präparat die konkrete Kartoffelanwendung und prüfen Sie Kultur, Schadorganismus, Zeitpunkt, Mengenbezug und Beschränkungen. Die BVL-Suchhilfe erklärt den Registerweg.

Hält die hohe Bodenfeuchte nach dem Spritzstart an, kann auch für die zweite Behandlung ein systemisches Präparat erforderlich sein.

Spritzmittel gegen Kartoffelkäfer und Krautfäule: zwei getrennte Behandlungen

Krautfäule ist eine Pilzkrankheit. Der Kartoffelkäfer ist ein anderer Schaderreger: Ein Fungizid gegen Krautfäule ersetzt keine Behandlung gegen den Käfer, und ein Insektizid wirkt nicht gegen den Pilz. Suchen Sie für jeden der beiden Schaderreger in der BVL-Datenbank das Mittel mit der passenden Kartoffelanwendung und tragen Sie beide Behandlungen als eigene Journaleinträge ein.

Krautfäule bei Bio-Kartoffeln: biologisch bekämpfen und vorbeugen

Biologische Mittel gegen Krautfäule bei Kartoffeln sind im ökologischen Anbau vor allem Kupferpräparate; für leichten Befall kommen weitere Wirkstoffe hinzu.

Im ökologischen Kartoffelbau sind Pflanzenschutzmittel auf Basis von Kupferhydroxid und Kupferoxychlorid zugelassen. Als Kontaktfungizid schützt Kupfer nur präventiv vor neuen Infektionen des Blattes und bekämpft einen etablierten Blattbefall nicht. Mit dem Modell Öko-Simphyt+ lassen sich optimale Spritztermine und Aufwandmengen bestimmen und berechnen, bis zu welchem Zeitpunkt Spritzungen überhaupt ertragswirksam sind. Ohne Prognosemodell erfolgt die erste Spritzung nach Warndienstempfehlung oder beim Auftreten erster Befallsherde. Entscheiden Sie über jede weitere Spritzung anhand Ihrer Feldkontrollen und des regionalen Infektionsdrucks.

Bei anfälligen Sorten werden ab Befallsbeginn Kupferbeläge von 500 bis 800 g Reinkupfer pro Hektar empfohlen; bei resistenten Sorten können die Behandlungen später beginnen und sollen einen Belag von 250 g Reinkupfer pro Hektar erzielen. Weitere Spritzungen folgen bei feuchtwarmem Wetter gegebenenfalls wöchentlich und nach Regenfällen, bei Trockenheit seltener. Die Kupferaufwandmenge ist auf 3 Kilogramm Reinkupfer pro Hektar und Jahr beschränkt; bei einigen Verbänden ist die Anwendung nicht zulässig oder nur mit Ausnahmegenehmigung möglich.

Bei sehr hohem Befall (40 bis 60 Prozent Blattverlust) entfallen weitere Behandlungen und der Bestand wird abgeflammt, da keine weitere Ertragsbildung zu erwarten ist; das Abflammen verhindert die Übertragung der hohen Sporenlast auf die Knollen und andere Flächen. Bei leichtem Befall oder im Wechsel mit Kupfer kommen Mittel auf Basis von COS-OGA, Orangenöl oder Pythium oligandrum in Betracht. Mit Pflanzenstärkungsmitteln wurde häufig keine oder nur eine geringe befallsverzögernde Wirkung festgestellt.

Kartoffelfäule und Braunfäule an den Knollen vorbeugen

Die größte Gefahr für Knolleninfektionen (Braunfäule) besteht während der Rodearbeiten, dort setzt die Vorbeugung gegen Kartoffelfäule an.

Phytophthora-Sporen werden gebildet, solange grünes Kartoffelkraut vorhanden ist, gelangen mit Wind, Tau- und Regentropfen in den Boden und bleiben dort etwa drei Wochen infektionsfähig. Die Knollen werden meist durch Schmierinfektion bei der Ernte angesteckt, wenn verletzte oder nicht schalenfeste Knollen mit infiziertem Boden, Maschinenteilen oder anderen Knollen in Berührung kommen. Schalenverletzungen bei der Ernte fördern Knolleninfektionen. Ernten Sie deshalb bei schalenfesten Knollen und verbinden Sie Beobachtungen am Kraut mit Auffälligkeiten am Erntegut über dieselbe Schlag- oder Partiebezeichnung.

Die Übertragung vom Kraut auf die Knolle begrenzen diese Maßnahmen: voluminöse Dämme mit steilen Flanken anlegen, frühestens zwei Wochen nach dem Absterben der Bestände ernten (10 Prozent der Sporangien sind im Boden noch nach zehn Tagen lebens- und infektionsfähig), voll ausgereifte, schalenfeste Knollen bei abgetrocknetem Boden und mindestens 10 Grad Bodentemperatur schonend ernten, faule Knollen möglichst schon auf dem Roder entfernen sowie die Knollen trocken einlagern und durch Belüftung schnell trocknen. Ein schnelles Absterben der Bestände reduziert die Gefahr von Knolleninfektionen erheblich, ein langanhaltender leichter Krautfäulebefall erhöht sie entsprechend.

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